Geschichte

Geschichte der Laura

(Quelle: Günter Fromm "Die Weimar-Rastenberger Eisenbahn", ISBN 3-929000-31-8,Hainich-Heimathefte, Lange Brüdergasse 12, 99947 Bad Langensalza)

Am 1. Mai 1886 wurde mit dem Bau der Bahnlinie durch die Weimar Rastenberger Eisenbahngesellschaft (WEAG) zwischen Weimar und Großrudestedt und einem Abzweig von Buttelstedt über Buttstädt nach Rastenberg begonnen. Bereits am 26.06.1887 konnten die ersten Personen befördert und 2 Monate später der Güterverkehr aufgenommen werden. Nach der Fertigstellung der Anschlussstrecke Buttelstedt – Rastenberg und des Anschlussstückes Buttstädt – Mannstedt umfasste das Gleisnetz etwa 58 km.
Zur Glanzzeit der Schmalspurbahn waren auf den 21 Verkehrsstellen 38 Beamte, 30 Arbeiter und verschiedene Saisonkräfte für Verladearbeiten beschäftigt, über 70.000 Personen wurden befördert.

Das Hauptanliegen dieser Kleinbahn war die verkehrstechnische Erschließung nördlich von Weimar sowie der Transport von Kali und Agrarprodukten. Von besonderer Bedeutung war der Zuckerrübentransport in die nahen Zuckerfabriken Walschleben, Großrudestedt und Straußfurt.
Der Kaliabbau blieb aber unter den Erwartungen und wurde bald wieder eingestellt. Damit entfiel auch eine wichtige Einnahmequelle für die Betreiber der Kleinbahn. Bereits im Jahre 1896 wurden hohe Verluste eingefahren, die dazu führten, dass 1897 ein Konkurs drohte. Die WEAG verkaufte die Bahn am 1. April 1898 mit einem Preisnachlass von rund 2 Millionen Mark für den Betrag von 773.500 Mark an Dr. Bachstein, der in Deutschland schon mehrere Schmalspurbahnen betrieb.Die Rentabilität ließ sich auch unter einer Zentralverwaltung und durch das Anheben der Frachtsätze nicht erreichen. Durch das Erhöhen der Tarife sahen sich viele Gutsbesitzer und Bauern veranlasst, ihre Produkte wieder mit eigenen Fuhrwerken zum nächsten Staatsbahnhof zu fahren. Somit war das Verlustgeschäft der Schmalspurbahn vorprogrammiert.
Der Personenverkehr allein konnte die Defizite nicht ausgleichen.

Bemerkenswert sind die einheitlichen Bahnhofsgebäude an der Laura, die in Fachwerkbauweise von der Zimmerei Werschy aus Schloßvippach errichtet wurden. Lokomotivschuppen gab es in Weimar Nordbahnhof, Buttstädt, Rastenberg, Großrudestedt und Buttelstedt. Letzter besaß auch eine Werkstatt. Von den ehemaligen Bahnhöfen sind nur noch wenige in umgebauter Form vorhanden. In den ersten Jahren fuhren nur Dampflokomotiven, später wurden auch Triebwagen eingesetzt.Mit dem Rückgang des Güterverkehrs ließ die Stilllegung von Strecken nicht lange auf sich warten. So kam es 1910 zum Abbau der Strecke Mannstedt – Buttstädt. 1925 wurde die Stecke Buttelstedt – Rastenberg demontiert. Im gleichen Jahr wurden aus wirtschaftlichen Gründen alle Bachsteinbahnen zu einer Thüringischen Eisenbahnaktiengesellschaft (THEAG) zusammengeschlossen.

Da die Bahn für die Bevölkerung ein billiges Verkehrsmittel war, wurde jeder Streckenabbau bedauert. So mag es nicht verwundern, dass bei der Bevölkerung große Anteilnahme herrschte, als der Teilabschnitt Ratenberg - Buttelstedt 1925 stillgelegt wurde. Die Teilnehmer der letzten Fahrt der „Laura“ wurden aufgefordert, in Trauerkleidung zu erscheinen und auf den betroffenen Bahnhöfen sollten Chöre angemessene Weisen vortragen.

Es gab aber auch viele lustige Begebenheiten, die mündlich oder schriftlich bekannt wurden. So wird berichtet, dass der Name „Laura“ entstand, weil die Fahrgäste oft auf die Züge lauern (warten) mussten.

Eine unrühmliche Verbindung der „Laura“ mit dem Anschluss Weimar – Buchenwald bestand darin, dass die Buchenwaldbahn zum Transport von Häftlingen und Material der Rüstungsfabriken durch das hinzufügen einer Schiene neben den bisherigen Gleiskörper in Regelspurbreite bis zum höchsten Punkt der Schmalspurbahn auf genau derselben Trasse, wie die „Laura“ errichtet wurde. Das Personal der „Laura“ verrichtete Dienste bei der Buchenwaldbahn und Häftlinge aus dem KZ Buchenwald mussten in der Lokomotivwerkstatt in Buttelstedt arbeiten.

Das Ende der "Laura" wurde 1946 auf Befehl der sowjetischen Militärkommandantur besiegelt. Das Material vom Abbau der Strecke Weimar-Buttelstedt-Großrudestedt wurde Bestandteil der Reparationsleistungen an die Sowjetunion.

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